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Talfahrt setzt sich fort

15.01.2016

Prognose der Entwicklung im laufenden Wirtschaftsjahr des Verbandes der Landwirtschaftskammern

Die Landwirtschaftskammern legen ihre Vorschätzung über die Entwicklung der Wirtschaftsergebnisse
für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 vor. Die vorliegende Prognose
basiert auf den Buchführungsergebnissen von Haupterwerbsbetrieben des Vorjahres
2014/15, auf Ergebnissen des ersten Halbjahres und auf Trendanalysen.
Die Ernteerträge aus dem Jahr 2015 waren in den meisten Bundesländern recht erfreulich,
sie führen jedoch wiederum zu überversorgten Märkten bei nicht auskömmlichen
Agrarpreisen. Vor allem im tierischen Segment erweisen sich die dauerhaft niedrigen
Preise weiterhin als verheerend. Im Betriebsergebnis schlagen die schlechten Preise
deutlich stärker als die Kosteneinsparungen durch. Im Ergebnis sinken die Betriebsergebnisse
im Wirtschaftsjahr 2015/16 erneut auf ein mittlerweile bedrohlich niedriges Niveau.
Alle gängigen Zielgrößen, wie der fünfjährige Durchschnitt, die volle Faktorvergütung etc.
werden nicht erreicht. Weiterhin sind Eigenkapitalverluste und überdies große Liquiditätsprobleme,
vor allem bei Milchvieh- und Veredlungsbetrieben, die Folge.
Trockener Sommer 2015
Während die Pflanzen zunächst von der im Boden gespeicherten Winterfeuchtigkeit profitieren
konnten, machte die weit verbreitete Trockenheit den Beständen mit fortschreitender
Vegetationsentwicklung zu schaffen. Insbesondere auf sandigen und grundwasserfernen
Standorten war das Pflanzenwachstum beeinträchtigt. Dennoch wirkte sich der trockene
Sommer 2015 nicht so stark wie befürchtet auf die Ernteerträge aus. Niederschläge
im August konnten zumindest bei den Hackfrüchten den zu erwartenden Ertragseinbruch
verhindern.
Gute Erträge
Im Vergleich mit der Rekordernte 2014 waren in Deutschland 2015 zumeist geringere
Ernteerträge bei Getreide zu verzeichnen. Dennoch wurde der mehrjährige Durchschnitt
der Jahre 2009 bis 2014 noch übertroffen. Ähnliche Entwicklungen sind für den Raps zu
vermelden.
Auch bei den Zuckerrüben konnte das sehr hohe Ertragsniveau des Vorjahres 2014/15
nicht erreicht werden. Die im Herbst 2015 erzielten Erntemengen rangierten jedoch auf
einem guten Niveau. Gängige Ernten lagen um die 70 t/ha und teilweise darüber. Die Kartoffelerträge
fielen 2015 etwas niedriger als im Spitzenjahr 2014 aus. Per Saldo gingen
die Erträge auf immer noch überdurchschnittliche Größenordnungen zurück.
Marktfrüchte: Preisentwicklungen zeichnen sich unterschiedlich ab
Die Preise für Getreide, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln tendieren nicht mehr einheitlich.
Während Getreide höchstens auf dem Niveau des Vorjahres zu vermarken ist (-5 bis
+2 %) kann der Raps im laufenden Wirtschaftsjahr spürbar besser vermarktet werden (bis
Pressemitteilung
Berlin, 14.01.2015 | pm1601-1
Prognose der Entwicklung im laufenden Wirtschaftsjahr
Talfahrt setzt sich fort
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zu +12 %). Bei Zucker stehen die internationalen Märkte weiter durch ein hohes Angebot
unter Druck. Verschärft wurde diese Situation durch eine nationale Überversorgung. Alles
in allem müssen auch derzeit Preise verzeichnet werden, die die 35 Euro-Grenze je abgelieferter
Tonne nicht übersteigen werden. Die Umsatzerlöse werden dadurch voraussichtlich
nochmals zwischen 5 und 10 % sinken. Besonders die Preise für Speisekartoffeln als
freie Ware entwickeln sich bundesweit mit einem Anstieg von bis zu 75 %. Unter Berücksichtigung
von vertragsgebundener Ware für die Stärke-, Pommes frites- und Chips-
Produktion ergibt sich immer noch ein Mischpreis, der circa 25 % über dem Vorjahr liegt.
Milchpreis gab erneut nach
Nach einem bereits drastischen Rückgang des Milchpreises im zurückliegenden Wirtschaftsjahr
2014/15 erholt sich dieser auch im Verlauf des Wirtschaftsjahres 2015/16
nicht. Die Überversorgung des Milchmarktes hat auf Grund des globalen Nachfragerückganges
und einer weltweiten Produktionssteigerung zu einem weiterhin rückläufigen Preis
geführt. Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg gesehen stellen sich erneut
schmerzhafte Einbußen für das Milchgeld ein (-7 bis -14 %). Die prognostizierten Auszahlungspreise
für das Gesamtjahr 2015/16 rangieren zwischen 28 und 31 Cent je kg.
Zumindest die Preise für Rindfleisch zeigen sich freundlich
Vor allem der Export-Stopp nach Russland sorgte in der Vergangenheit im Handel mit
Schlachtrindern für rückläufige Erzeugerpreise. Im laufenden Wirtschaftsjahr ist dieser
Trend nicht mehr ersichtlich. Die Erzeugerpreise für Bullen werden im Vergleich zum Vorjahr
voraussichtlich um bis zu 6% steigen.
Schweinepreise weiter stark unter Druck
Bereits seit Jahresbeginn 2014 müssen die Erzeuger mit unbefriedigenden Schweinepreisen
klarkommen. Auch im laufenden Wirtschaftsjahr hat sich daran nichts verändert. Vor
dem Hintergrund des Russland-Embargos verschärft sich diese Situation. Abermals fallen
die Notierungen um bis zu 5 %.
Ferkel: Vom Strudel erfasst
Mit dem Rückgang am Schlachtschweinemarkt nehmen auch weiterhin die Preisnotierungen
für Ferkel spürbar ab. Es ergibt sich auch durch weitere Importe ein Ferkelüberhang,
in dessen Fahrwasser die Preise im Wirtschafsjahr 2015/2016 weiter fallen. Für das gesamte
Wirtschaftsjahr ermitteln die Landwirtschaftskammern Preisrückgänge von rund
8 % unter dem Vorjahresniveau.
Spezialkosten überwiegend gesunken
Kostenreduzierungen lassen sich im Bereich des Pflanzenbaus umsetzen. Bei Düngemitteln
sowie bei Treib- und Schmierstoffen können über 10 % eingespart werden. Auch in
der tierischen Produktion können Einsparungen realisiert werden: Wegfallende Aufwendungen
für die Milchquote (Superabgabe, Pacht, Abschreibung) und verminderte Ausgaben
für Energie und Tierzukäufe (bis 8 %) reduzieren die Kosten. Auch Futtermittel können
überwiegend günstiger bezogen werden. Allerdings führen regional unterschiedliche
Grundfuttererträge teilweise zu höheren Zukaufmengen.
Gemeinkosten entwickeln sich uneinheitlich
Deutlich gespart wird derzeit bei der Unterhaltung von Gebäuden; das heißt, die landwirtschaftlichen
Betriebe verschieben nicht zwingend notwendige Reparaturen und Instandsetzungen.
Überwiegend niedriger werden die Ausgaben für Strom, Heizstoffe und Wasser.
Pacht und Mietaufwendungen werden dagegen erneut um 4 bis 8 % steigen.
Milchviehhalter weiter in existenzbedrohender Lage
Im ersten Jahr nach Abschaffung der Milchquotenregelung müssen die Milchviehhalter
weiter rückläufige Milchpreise hinnehmen. Nach den bereits schlechten Vorjahresergebnissen
sind erneut deutliche Gewinnrückgänge zu erwarten. Insgesamt wird in den Landwirtschaftskammerländern
ein Rückgang der Einkommen der Futterbaubetriebe unter die
30.000-Euro-Grenze nicht zu vermeiden sein. Vor allem Höfe, die in den vergangenen
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Jahren umfangreich investierten, leiden weiter unter hohen Kapitaldiensten. Die Gesamtheit
der Milchviehbetriebe wird durch fehlende Liquidität belastet.
Rindfleischerzeuger mit leichtem Plus
Die Erzeugerpreise für Rindfleisch erholen sich im unteren einstelligen Bereich. Entlastend
wirkten günstige Futterkosten und preiswerte Tierzukäufe. Die stabilen Preise für
Rindfleisch kommen vor allem den Bullenmästern und den Mutterkuhhaltern zu Gute. So
schlossen Futterbaubetriebe der Ausrichtung Rindfleischerzeugung mit einem geringfügigen
Einkommensplus gegenüber dem Vorjahr 2014/15 ab.
Schweinehaltung weiter auf Talfahrt
Auch die Veredlungsbetriebe, überwiegend Schweinehalter, müssen erneut Einkommensrückgänge
verkraften. Häufig kann die Liquidität nur dann aufrechterhalten werden, wenn
die Betriebsleiter auf Reserven zurückgreifen. Eigenkapitalverluste sind die Folge. Die
sinkenden Ferkel- und Schlachtschweinepreise sind dafür die Hauptursachen. Leicht gesunkene
Getreide- und Sojapreise kommen den Schweinehaltern zugute. Fallende Ferkelpreise
helfen nur den Mästern und bescheren den Ferkelerzeugern weitere, schmerzliche
Einkommensverluste. Das Unternehmensergebnis der schweinehaltenden Betriebe
gibt zwischen 25 und 30 % nach. Die absoluten Gewinne liegen um die 30.000 Euro-
Marke.
Ackerbau kommt mit einem blauen Auge davon
Die immer noch erfreulichen Erntemengen und ein kleines Betriebswachstum haben die
Umsatzerlöse der Marktfruchtbetriebe auf niedrigem Niveau stabil gehalten. Einsparpotentiale
bei Betriebsmitteln entlasten die Aufwandsseite. Die Unternehmensergebnisse
der Marktfruchtbetriebe werden zwischen 40.000 Euro in Rheinland-Pfalz und 65.000 Euro
in Niedersachsen prognostiziert.
Im Weinbau wird Rückgang der Unternehmensergebnisse erwartet
Der 2015er Jahrgang wird qualitativ einer der besten der letzten Jahre werden. Allerdings
liegt die Erntemenge zirka 3 % unter der des Vorjahres. Eine geringere Ernte, erneut gestiegene
Kosten und schlechte Preise für Fasswein führen in der Summe dazu, dass
Weinbaubetriebe 2015/16 schlechtere Unternehmensergebnisse als im Vorjahr verzeichnen
werden. Daran werden wohl auch auf Grund guter Qualitäten zu erwartende, bessere
Preise für Flaschenwein nicht viel ändern können. Ähnlich exakte Voraussagen wie im
Ackerbau sind im Weinbau wegen der großen Bedeutung der Lagerbestände aus Vorjahren
nicht möglich.
Gewinne weiter rückläufig – Strukturwandel beschleunigt
Im Durchschnitt aller Betriebe und aller Regionen wird eine Abnahme des Gewinns zwischen
16 und 27 % angenommen. Die Unternehmensergebnisse erreichen etwa 30.000
Euro. Der 5-jährige Durchschnitt wird dadurch bis zur Hälfte verfehlt. Die Nettorentabilität
liegt zwischen 42 und 52 %. Somit können im Wirtschaftsjahr 2015/16 die Produktionsfaktoren
Arbeit, Kapital und Boden nicht einmal zur Hälfte vergütet werden. Kurzum finden
sich die Unternehmensergebnisse im zweiten Jahr in Folge auf einem existenzbedrohenden
Niveau. Eventuell vorhandene Liquiditätsreserven sind nunmehr bei nahezu allen
Betrieben aufgebraucht. Das laufende Wirtschaftsjahr dürfte somit zu einer deutlichen
Beschleunigung des Strukturwandels führen.